3D-Druck im Theaterbetrieb
Requisiten, die in Stunden statt Tagen entstehen. Bühnenelemente und Dekorationen, die exakt so aussehen wie im Modell, Konzeptmodelle und Vorlagen im korrekten Maßstab — weil sie aus demselben Datensatz stammen. Ersatzteile für Maschinen, die längst nicht mehr im Handel sind. 3D-Druck verändert schon seit Jahren, was in Theaterwerkstätten möglich ist — und er tut es längst nicht mehr nur in Ausnahmefällen.
Dieser Workshop erschließt das volle Potenzial additiver Fertigung für den Theaterbetrieb: von den grundlegenden Fertigungsverfahren über die Materialauswahl bis zum vollständigen Workflow vom ersten Entwurf bis zum fertigen, bühnentauglichen Objekt. Dabei geht es nicht nur um Technik. 3D-Druck im Theater bedeutet auch, Prozesse neu zu denken: Wann lohnt sich der Druck gegenüber der klassischen Herstellung? Wie verändert sich die Zusammenarbeit zwischen Werkstatt, Requisite und Bühnenbild? Und welche Anforderungen stellt die Bühne an Materialien, die so kein anderes Anwendungsfeld kennt?
Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf dem Thema Materialauswahl — denn was im Alltag problemlos einsetzbar ist, muss auf der Bühne spezifische Anforderungen zu den Themen Brandschutz, Nachhaltigkeit und Festigkeit erfüllen. Dieses Wissen macht den Unterschied zwischen einem Workshop für Einsteiger und einem, der wirklich für den Theaterbetrieb gemacht ist.
Mögliche Themen
1 — FERTIGUNGSVERFAHREN IM ÜBERBLICK
- FDM, Resin/SLA, SLS — die wichtigsten Verfahren im Vergleich: Möglichkeiten, Grenzen, Kosten
- Welches Verfahren eignet sich wofür?
- Aktuelle Drucker am Markt: Was lohnt sich für eine Theaterwerkstatt — vom Einstiegsgerät bis zur professionellen Lösung
- Großformatiger 3D-Druck: Möglichkeiten für Bühnenelemente in Originalgröße
2 — AUSWAHL VON MATERIALIEN
- Materialüberblick: PLA, PETG, ABS, TPU, Resin — Eigenschaften, Einsatzbereiche, Grenzen
- Flammhemmende Filamente und Harze: FR-ABS, PETG-FR, FR-PC — was die Zertifizierungen bedeuten und wann sie nötig sind
- Brandschutzanforderungen auf der Bühne: Was darf auf die Bühne, was muss geprüft werden?
- Nachhaltige Materialien: biologisch abbaubare und recycelbare Alternativen im Theatereinsatz
3 — WORKFLOW: VOM ENTWURF ZUM DRUCKOBJEKT
- 3D-Modellierung für den Druck: geeignete Software im Überblick (Blender, Fusion 360, Tinkercad u.a.)
- 3D-Scan als Ausgangspunkt: bestehende Objekte digitalisieren, reproduzieren oder skalieren
- Dateiaufbereitung: STL, OBJ, 3MF — Formate, Fehlerquellen, Optimierung fürs DruckenSlicing: Wie Parameter wie Infill, Supports und Schichthöhe das Ergebnis bestimmen
- Nachbearbeitung: Schleifen, Grundieren, Lackieren, Oberflächenveredelung
4 — THEATERANWENDUNGEN IN DER PRAXIS
- Requisite: Unikate, historische Objekte, Crashrequisiten, Duplikation beschädigter Stücke
- Bühnenbild und Dekorationselemente: Leichtbau, Modularität, Detailtreue
- Maskenbild und Kostüm: Masken, Schmuck, Accessoires, Rüstungsteile
- Technische Teile: Ersatzteile, Adapter, Sonderlösungen für Bühnenmaschinerie
- Modellbau: maßstabsgetreue Bühnenmodelle als Planungs- und Kommunikationswerkzeug
- Formenbau: 3D-gedruckte Formen für Gieß- und Vakuumformverfahren
5 — KALKULATION UND INTEGRATION IN DEN PRODUKTIONSALLTAG
- Wann lohnt sich 3D-Druck — und wann nicht? Realistische Kosten- und Zeitvergleiche
- 3D-Druck als Ergänzung zur klassischen Werkstatt: Wo sind die sinnvollen Schnittstellen?
- Wie integriere ich 3D-Druck in bestehende Produktionsabläufe?
- Aufbau eines digitalen Objektarchivs: Dateiverwaltung und Wiederverwendbarkeit